Interview mit Philipp Emanuel Gietl

Chorleiter und Organist

Pfarrkirche Bruneck
Pfarrkirche in Bruneck, der Heimat Philipp Emanuel Gietls

"Die vielfältigen Möglichkeiten, welches das Feld Kirchenmusik bietet, sind für mich sehr attraktiv. So wird einem nie langweilig", sagt Philipp Emanuel Gietl, der an der Hochschule Luzern im Bereich Kirchenmusik unterrichtet und zudem als Hauptorganist in Adligenswil und Chorleiter in St. Michael und St. Johannes in Zug amtet. KKVL-Direktorin Aurore Baal hat ihn zu seinen Tätigkeiten befragt.

A.Baal: Lieber Philipp Emanuel, du bist aus Italien. Wo genau wurdest du geboren?
P.E.Gietl: In einer kleinen Stadt im schönen Südtirol Namens Bruneck.

Hast du während deiner Kindheit in einem Kinderchor und/oder Jugendchor gesungen?
Ja, ich habe in einem Kinder- und später im Jugendchor gesungen. Mit 12 Jahren bin ich dann in den Kirchenchor eingetreten und habe dort zuerst im Sopran und dann im Tenor gesungen.

Warum hast du Orgel studiert?
Meine Mutter ist Chorleiterin und ich durfte sie gelegentlich zu den Sonntagsmessen begleiten. Dort saß ich immer neben dem Organisten. Das Instrument per se, der Umgang damit und die klangliche Vielseitigkeit haben mich sofort begeistert. Deshalb habe ich als Zwölfjähriger beschlossen, Orgel zu lernen. Das hat mir dann so viel Freude bereitet, dass ich mich für das Kirchenmusik- bzw. Orgelstudium entschieden habe.

Wer war dein erster Orgellehrer?
Johanna Feichter an der Musikschule in Bruneck.

Was sind deine fünf liebsten Chorwerke?
Es ist sehr schwierig, mich auf fünf Werke zu beschränken. Bach steht bei mir immer an erster Stelle. Ich bin aber auch ein großer Fan von Chormusik aus der Klassik und Romantik: geistliche Werke von Mozart, Haydn, Mendelssohn, Schubert und Becker begeistern mich sehr.

Was sind deine fünf liebsten Orgelwerke?
Auch hier fällt es mir schwer, fünf ausgewählte Werke zu nennen. Meine fünf liebsten Komponisten zu nennen, fällt mich leichter: J. S. Bach, N. Bruhns, M. Reger, C. Franck und O. Messiaen.

Du unterrichtest nun an der Hochschule Luzern im Bereich Kirchenmusik. Kannst du uns ein bisschen erklären, was deine Aufgaben dort sind?
Wir haben die „C-Ausbildung“ letztes Jahr etwas umstrukturiert. Es war uns wichtig, einen noch größeren Praxisbezug herzustellen. So haben wir ein neues Fach „Praxis Kirchenmusik“, welches ich u.a. unterrichte, „entwickelt“. Dort geht es um konkrete praktische Inhalte wie: Klavierbegleitung mit Akkordsymbole, kreativer Umgang mit dem katholischen Gesangbuch, Singen von Psalmversen, einfachen Chor- bzw. Gruppenimprovisationen mit bestehenden Kehrversen, Improvisationen von Hallelujaversen u.v.m…

Zusätzlich unterrichte ich noch das Fach Gottesdienstgestaltung und bin für den Blockkurs Gregorianik verantwortlich

Du bist nun Hauptorganist in Adligenswil und Chorleiter in St. Michael und St. Johannes in Zug, wie koordinierst du alles?
Das ist eine gute Frage: Unter den zwei Kirchenchören kann man sich recht gut koordinieren. „Kollisionsgefähr“ besteht eigentlich nur zu den Hochfesten wie Ostern und Weihnachten. Dort kann man aber auch alternierend zwischen Christnacht und Weihnachten am Tag bzw. Osternacht und Ostersonntag ausweichen. Pfingsten und Fronleichnam sind in Zug immer Gemeinschaftsgottesdienste der vier Stadtpfarreien, sodass es auch hier keine Überschneidungen gibt. An den anderen Terminen kann man sich gut „ausweichen“. In Adligenswil gibt es einen großen Pool an „nicht hauptamtlichen Organisten“, die an den Gottesdiensten, an denen ich verhindert bin, spielen können.

Was gefällt Dir besonders in deinem Job als Chorleiter und Lehrer?
Der Umgang mit verschiedensten Menschen ist ein sehr schöner Aspekt meines Jobs, wenn er auch manchmal sehr herausfordernd sein kann. Die Begeisterung für Musik verschiedenster Genres und Besetzungen und die authentische Weitergabe und Vermittlung davon bereiten mir sehr viel Freude. Ich denke, dass es als Lehrer und Chorleiter sehr wichtig ist, die Lernenden bzw. Chorsänger:innen aus verschiedenen Alters- und Leistungsgruppen für die Materie zu begeistern. Hat man dies geschafft und ist es gelungen, damit eine intrinsische Motivation bei jedem/jeder Schüler/Schülerin bzw. Chorsänger/Chorsängerin zu aktivieren, geht der Lernprozess viel leichter und zielführender.

Wie kannst du deine Heimat Südtirol und Luzern vergleichen? Was sind für dich Besonderheiten?
Ich lebe seit 2016 in der Schweiz und habe gemerkt, dass wir „Alpenvölker“ uns rein „Mentalitätstechnisch“ sehr ähnlich sind. Auch gibt es sowohl in meiner alten Heimat als auch in der neuen Wahlheimat (noch) eine sehr schöne Natur. Ein großer Pluspunkt für die Schweiz sind die vielen Seen in der unmittelbaren Umgebung. Diese sind für mich als passionierten „SUPler“ (Standuppaddler) ein wahrer Traum. Was ich manchmal etwas vermisse, ist die wunderbare Kulinarik in Südtirol. Die Mischung aus alpiner und mediterraner Küche dort, ist für mich nach wie vor unübertrefflich.

Welches Chorwerk bzw. chorsinfonische Werk würdest du gerne dirigieren als Traum?
Ich würde sehr gerne einmal das Oratorium „Paulus“ von F. Mendelssohn Bartholdy dirigieren.

Warum bist du Kirchenmusiker geworden? Was waren deine Motivation?
Wie bereits oben erwähnt, ist mir der Umgang mit Menschen sehr wichtig. Egal ob dies nun Laienmusiker:innen oder Profis sind. Die vielfältigen Möglichkeiten, welches das Feld Kirchenmusik bietet, sind für mich sehr attraktiv. So wird einem nie langweilig. Und wenn beispielsweise das Chorleiten grad nicht so gut läuft, kann man sich wieder mehr auf das Orgelspielen, oder Unterrichten konzentrieren. So kann man sich immer wieder gut selbst „ausgleichen“. Das finde ich sehr schön an unserem Beruf.


Ein Wunsch für der Kirchenmusikverband Kanton Luzern-Zug?
Möge es dem Verein gelingen, die Kirchenmusik in eine nachhaltige Zukunft zu begleiten und vor allem die Nachwuchsförderung in den Chören, aber auch die Begeisterung für das Berufsbild Kirchenmusiker/Kirchenmusikerin bei jungen Menschen zu unterstützen, anzufeuern und zu begeistern.

 

 

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