Die Geschichte des Kirchenchores Zell

Über der Gründung des Zeller Kirchenchors liegt ein Nebelschleier. Weder Vereinschroniken noch Kirchenratsprotokolle lüften das Geheimnis, unter welchen Umständen, wie, wann und wo der «Caecilienverein Zell» gegründet wurde. Doch zuerst ein Blick in seine Vorgeschichte:
Wie andernorts auf der Landschaft zog der amtierende Organist für kirchliche Feiertage vier bis sechs Sänger bei, die links und rechts neben dem Altar postiert — während der Messe ihre deutschen Gesänge vortrugem. Die Jahresrechnung der Kirchgemeinde vermerkt anno 1870 «Trinkgelder für die Sänger», die an Ostern und Fronleichnam, anlässlich der Kirchweihe und am St.Martins-Tag (Patrozinium) mitwirkten. Der Kirchenrat überwies dem Organisten jährlich einen Betrag, von dem er jedem Sänger zehn Franken auszuhändigen hatte. Als Organisten dieser Zeit werden genannt: Bussmann, Leupi und Brunner. Bs waren allesamt Schulmeister, die den Organistendienst vermutlich wechselweise versahen. Unter ihnen dürfte der erste Chorleiter und Gründer des Caecilienvereins zu suchen sein.

Es unterliegt keinem Zweifel, dass bereits 1885 in Zell ein Kirchenchor bestand. Denn damals forderte das Komitee (Vorstand) des Kantonalen Caecilienvereins den Kirchenchor Zell auf, dem Verband beizutreten (Sitzungsprotokoll vom 29. Oktober 1885). Diesem Wunsche kamen die Sängerinnen und Sänger von Zell allerdings nur zögernd nach (1895 provisorischer, 1899 definitiver Beitritt). Trotz dieser Zurückhaltung beteiligte sich der Kirchenchor Zell am Kirchengesangfest des Kantonalverbandes vom 21. Mai 1888 in Altishofen mit einem Einzelvortrag und im Gesamt-chor der über 200 anwesenden Sängerinnen und Sänger.

Es scheint, dass die ersten Jahre des jungen Vereins von einigen Missstimmigkeiten überschattet waren. Zum Ausdruck kam dies recht drastisch, als 1895 ein neuer Organist und Chorleiter sein Amt in Zell antrat. Der ganze Kirchenchor streikte, als er am Sonntag erstmals unter der neuen Leitung von Emil Zimmermann singen sollte. Statt der Sänger fand der neue Organist auf der Empore einzig einen Schlüssel am Orgeispielschrank vor.

Der tatenfreudige, junge Lehrer liess sich durch diese Provokation nicht sehr beirren und entfaltete in der Folge eine erfreuliche musikalische Tätigkeit. Anlässlich der Sempacher Schlachtjahrzeit anno 1900 sang der Caecilienverein Zell im Verbund mit acht andern Kirchenchören die liturgischen Teile des Festgottesdienstes auf dem Schlachtfeld. 1908 übernahm mit Georg Wolf eine markante Persöniichkek das Zepter des Kirchenchors. Dabei war er nicht bloss 40 Jahre dessen musikalischer Leiter, sondern auch Präsident und Kassier in Personalunion. Erst anlässlich der Generalversammlung vom 29. Dezember 1944 gab sich der Kirchenchor einen Vorstand. 1932 legten der Pfarrer Anton Wigger und sein Organist Georg Wolf eine Vereinschronik an, die von musikalischen und gesellschaftlichen Höhepunkten, aber auch von ernsthaften Krisen berichtet. An Kirchengesangfesten des Kantonal- oder Kreisverbandes war der Kirchenchor Zell oft präsent: 1888 Altishofen, 1909 Grosswangen, 1921 Willisau, 1930 Willisau, 1946 Grosswangen und 1984 Luzern (100-Jahr-Feier des KKVL).

1985 feierte der Kirchenchor Zell sein hundertjähriges Bestehen mit einem festlichen Pfarrgottesdienst.