Geschichte des Kirchenchors Knutwil-St. Erhard

Die älteste schriftliche Nachricht über Kirchensänger in Knutwil fand man im Staatsarchiv Luzern. Dort liegt der Brief vom 27. Juli 1849, also aus der Zeit gleich nach der Klosteraufhebung von St. Urban und dem Übergang unserer neuen Kirche an den Staat, der meldet, dass für den Kirchengesang zu Knutwil 2 Sänger angestellt seien, von denen der eine sich zugleich als Organist betätige. (Dazu unterlässt ein Staatsangestellter nicht zu bemerken, dass die beiden in keinem Dienstverhältnis zum Kloster standen. So konnte man die Ablehnung der Besoldung besser begründen). Es wird sich wohl um 2 Bürger gehandelt haben, die gegenüber der Pfarrgemeinde gewisse Verpflichtungen übernommen hatten und wohl auch eine geringe Entschädigung, z.B. für Gesang an Beerdigungen, erhielten.

So hat unser ehemaliger Direktor und Organist Anton Kaufmann Senior die Anfänge des Chorgesangs in unserer Pfarrei beschrieben. Vor 166 Jahren wurde somit der kirchliche Chorgesang in Knutwil von offizieller Stelle organisiert – und unser Kirchenchor Knutwil – St. Erhard blickt heute zwar nicht auf 166 eigentliche Vereinsgeschichte, aber auf 166 Jahre organisierter Chorgesang zurück.
Die oben zitierte Notiz aus dem Staatsarchiv wird auch in der „Geschichte des Cäcilienvereines des Kantons Luzern: 1883 – 1843“ (erschienen 1946) bestätigt. Ab 1850 ist die Reihe der Organisten und Chorleiter lückenlos überliefert:

1850 – 1869    Jakob Brunner, Lehrer
1869 – 1873    Jakob Troxler, Lehrer
1873 – 1876    Jakob Fischer, Lehrer
1876 – 1887    Franz Josef Unternährer, Lehrer
1887 – 1904    Jakob Sigrist, Lehrer
1904 – 1906    Johann Amrein, Lehrer
1906 – 1946    Anton Kaufmann sen., Lehrer: Leitung des Chores
1906 – 1956    Anton Kaufmann sen., Lehrer: Orgeldienst
1946 – 1977    Anton Kaufmann jun., Lehrer
1977 -        Georg Furrer, Lehrer

Unter der Leitung von Jakob Sigrist wurde die Reform des Kirchengesanges, die sogenannte cäcilianische Reform, durchgeführt. Vor seiner Amtszeit war auch der Kirchenchor im Fahrwasser einer süsslich, weltlich anmutenden Kirchenmusik (süsslich=salopper Schlendrian) gesegelt, wobei sich die Chorleiter und Organisten wenig um kirchliche Vorschriften bekümmert hatten und unter Duldung der Pfarrherren oft recht eigenmächtig vorgegangen waren. Bereits in seinem zweiten Knutwiler Jahr 1888 trat Sigrist mit dem Chor an der „Kirchenmusikproduktion in Altishofen“ (Kirchengesangsfest) auf. Im Jahre 1911 trat der Chor dem kantonalen Cäcilienverein bei, und regelmässig begegnete man von nun an den Knutwilern an den Kirchenmusikproduktionen des Verbandes.

1906 wurde Anton Kaufmann Senior Chordirektor und Organist in Knutwil, und damit begann die „Ära Kaufmann“, die volle 71 Jahre bis zur Amtsübergabe von Anton Kaufmann Junior an Georg Furrer im Jahre 1977 andauerte. Die Familie Kaufmann hat die Geschichte des Kirchenchores – auch über das Jahr 1977 hinaus – entscheidend mitgeprägt, sowohl in der Direktion des Vereins wie auch mit der Tatsache, dass bis zu sieben Familienmitglieder aus drei verschiedenen Generationen gleichzeitig im Chor aktiv mitmachten.

Der Kirchenchor zählte um die Jahrhundertwende unter Chorleiter Sigrist 16 Mitglieder. Diese Zahl stieg bis in die vierziger Jahre stetig an und pendelte von da an meist zwischen 30 und 45. Heute zählt der Chor 26 Aktivmitglieder. Finanziell war unser Chor nie auf Rosen gebettet. So musste man sich um die Jahrhundertwende mit Weihnachts- und Neujahrssingen einige Einnahmen verschaffen, was aber wegen mässigen Erfolgs bald wieder aufgegeben wurde. 1945 erhielt der Chor Fr. 125.00 aus der Polizeikasse und aus dem Kirchengut zählte der Staat Fr. 30.00. Da unsere Pfarrei seit der Aufhebung des Klosters St. Urban eine Staatspfarrei war und der Pfarrer von der Regierung gewählt wurde, war lange Zeit auch das Anstellungsverhältnis und die Besoldung des Chorleiters und Organisten nicht klar geregelt. Noch im Jahre 1956 sah sicher der Kreiscäcilienverein genötigt, die „löbliche Kirchenverwaltung Knutwil“ aufzufordern, die Besoldungsfrage zu überprüfen, da das Salär des Organisten (1956 betrug dies Fr. 900.00 für weit über 800 Dienstleistungen pro Jahr) „sicher der heutigen Zeitlage nicht mehr entspricht.

1977, am 02. September, übernahm der heutige Direktor Georg Furrer die Chordirektion. Mit Georg Furrer übernahm ein junger und doch bereits erfahrener Kirchenmusiker die Leitung unseres Chores. Nachdem er zwischen 1966 und 1969 in Muttenz als Hilfsorganist, 1969 bis 1970 in Basel (Don Bosco) als Organist geamtet hatte, wirkte er zwischen 1975 und 1977 als Kirchenchorleiter in Sommeri TG. 1980 erwarb er – zusammen mit seiner Gattin Béa Furrer – das Chorleiterdiplom B der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern.

2019 feiert der Kirchenchor Knutwil-St. Erhard bereits sein 170jähriges Bestehen.